tumblr und pornographische Bildmacht

The parts that then transmitted joy

are now reserved and cold and coy.

-Gavin Ewart “Ending”

tumblr Startseiten Phallus

tumblr Startseiten Phallus

In seinem Gedicht “Ending” zeichnet Gavin Ewart Geschlechtsteile poetisch und auch tumblr nutzt phallische Bildmacht, um dem Nutzer zu sagen was von ihm erwartet wird bzw. was er zu erwarten hat. Die meisten Menschen erkennen einen erigierten Penis, wenn sie einen sehen – auch wenn dieser aus Anstandsgründen auf der Startseite des Blogdienstes ein wenig abstrahiert wurde. Wenn Bakhtin recht hat und wir unser Selbst durch Autorschaft herausbilden, dann wird Yahoo demnächst erkennen, dass tumblr Nutzer gerne pornographische Inhalte in Leserköpfe schreibt (an dieser Stelle keine Küchenpsychologie zu den Auswirkungen). Ein Blog – auch ein Bildblog – arbeitet dialogisch an den Schnittstellen zwischen Identitäten. Dialogische Identitäten durch Worte und Texte sind auch ideologische Phänomene und wahrscheinlich “das reinste und empfindlichste Medium sozialen Geschlechtsverkehrs”. Und wenn tumblr etwas kann, dann “social intercourse”. Liebes Yahoo-Team, willkommen im Bizzness!

Rezept für (digitale) inter- und transkulturelle Bildung

Uni Köln Kunstlabor

Uni Köln Kunstlabor

Was passiert, wenn man ein bisschen Internet, ein paar iPads (freundlich erbeten und gewährt vom @gibro) und Smartphones in einen Topf wirft, 60 Jugendliche aus 6 Nationen dazu gibt und das Ganze mit ein paar Kunststudenten und jungen Künstlern abschmeckt?

Gemeinsam mit Kunststudenten der Universität Köln (Seminar “Inter- und Transkulturelle Kunstpädagogik” by @herrmeyer) und Verantwortlichen der “Jungen Akademie der Künste der Welt” wurde gestern, in einem ersten Brainstorming, über einen Exkursionstag für das internationale Jugendtreffen #Impulse17 nachgedacht.

Angekündigt wurde unser Projekt auf dem Medialogy Blog von Prof. Meyer folgendermaßen: “Im Rahmen einer Kooperation mit dem  dem Jugendprogramm “think europe” des Europa-Haus Marienberg findet am 13.6.2013 wieder ein Projekttag statt, an dem ca. 60 Jugendliche aus 6 Nationen die Stadt Köln besuchen. Wie beim letzen Mal im Sommer 2011 gestalten wieder Studierende der Uni Köln diesen Exkursionstag im Rahmen einer Lehrveranstaltung: Transkulturelle Kunstpädagogik.
Im Sommer 2011 versteckten die Studierenden ein paar USB-Sticks in den Mauern der Kölner City und schufen so eine Reihe von DeadDrops als Teil des weltweit wirkenden Projekts des Berliner Medienkünstlers Aram Barthol. Diese “Toten Briefkästen” enthielten digitale Informationen über die Route und kleine Aufgaben, die auf dem Weg durch die Stadt zu erledigen waren. Die digitale Schnitzeljagd endete schließlich in einem Flashmob auf der Domplatte (Doku-Film).
Worum es diesmal geht, ist noch offen. Zur Anregung der Phantasie der Mitwirkenden sind verschiedene Inputs geplant: Ansgar Schnurr aus Dortmund berichtet unter dem Titel Transkultur, Globalität, Hybridität über jugendliches Bildhandeln in der Migrationsgesellschaft, Antje Breitkopf über “Kulturelle Implikationen globaler Medien” am Beispiel des one-laptop-per-child-Projekts (OLPC) in Peru und Sigrid Gareis berichtet über die Kölner Akademie der Künste der Welt – academycologne.org usw…”

Ich bin gespannt was daraus wird! Es wurde über das “Morphen” von Kölner Stadtteilen mit Europa und Kultur gesprochen; von Sounddokumentationen; von Schmelztiegeleien und von sequential Art, von Actionbounds uvm. Am Ende wird ein Tag stehen, der Jugendlichen neue Erfahrungen in digitalen, analogen und transkulturellen Kontexten bringen wird – Stay tuned for more work in progress!

Soundcloud Remix zum Podcast “Wir und Die” by @empeiria

@gibro und @amsellen in der Podcasterei

@gibro und @amsellen in der Podcasterei

Klassiker verspäten sich nie(!!): Der @empeiria hat sich vor einer digitalen Ewigkeit die Mühe gemacht und dem @gibro und mir einen hörbaren Spiegel vorgehalten.

Das ganze fing an mit meinem Blogpost zum Thema “Wir und Die” – zum Thema “saftbratende Edupunks” – gefolgt von einer Replik “Klassentreffen der Eduvögel” aus der Schmiede des @gibro. Am Ende des Meinungsaustausches stand ein Podcast, aufgenommen während des Educamps in Hamburg. Der Remix dieses Podcasts (made by DJ @empeiria) ist nun auch auf diesem Blog zum Nachhören verfügbar – ein Musterbeispiel des “liebevoll gegen Arrogante Knie treten”. Großartig!

Dieses Internet – Fegefeuer der Eitelkeiten

“The truest characters of ignorance are vanity and pride and arrogance.” – Samuel Butler

Haben wir allen ernstes geglaubt, dass die Freiheit des Netzes über zutiefst menschlichen Kleingeist triumphiert? Ist die Schwarmintelligenz – das Bereitstellen von geistigem “Eigentum”, bei gleichzeitigem Verzicht auf persönliches Urheberrecht – am Ende nicht doch nur utopisches Wunschdenken?

Ich bin zuletzt immer häufiger über persönliche Befindlichkeiten gestolpert und einigermaßen überrascht von den vielen inneren Schweinehunden, die nach Anerkennung lechzen und gleichzeitig mit Begriffen wie “Open Data”, “Open Education Ressources”, “freie Bildung”, “Sharing” etc. um sich schmeißen. Andere wiederum beanspruchen einfachste Hashtags als kreativen Schöpfungsakt, der ein exklusives Nutzungsrecht desselben beinhaltet.  Ich bin schon gebeten worden, den einen oder anderen Tag nicht zu benutzen – irgendwer befürchtet wohl die Verunreinigung seines eigenen göttlichen Gedankenguts. “[...] komm runter von deinem hohen Ross und macht die Türen weit auf von deinem Luftschloss und lass die anderen rein, du kleines Egoschwein, denn keine Band dieser Welt spielt für dich allein [...]“

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Klein aber fein! Chalk Movie Projekt

In der letzten Woche ist die zweite europäische Jugendbegegnung im Europa-Haus Marienberg zu Ende gegangen (Momentan läuft die dritte unter we-connect-europe.net  – ein Blog-Experiment). Dieses äußerst kurze Kurzfilmchen ist während der Begegnung entstanden. 37 Sekunden lang besteht das Ding aus 150 Bildern inkl. freier Musik aus dem freemusicarchive. Mehr Ergebnisse und eine “Sagen-Sie-Jetzt-Nichts” Photo Session findet ihr auf dem Projektblog touchingeurope (72 Artikel, Soundclouds, Filme, Schattentheater etc.). Das Projektblog hatte über die Woche ca. 7.500 Zugriffe und ist von den Teilnehmenden kreuz und quer durch die Peer-Netzwerke getrieben worden.

Die Gruppe, das Educamp und “Wir” – von der Gefahr limitierter Denkprozesse

Hintergrundsätzlich

Mit dem Post zum Thema “Wir” und “Die” ist eine Diskussion entstanden, die sich im Kern um die Frage dreht ob das Educamp ein geschützter Raum für den den Austausch digitaler Bildungsmenschen ist oder ob das #echh13 – wie viele andere “Gruppenräume” – Gefahr läuft zur Echokammer zu verkommen?

Für mich geht es ganz grundsätzlich nicht darum, “Die” um jeden Preis in digitale Lernwelten einzubinden. Wer nicht will, der hat schon! Mir geht es vielmehr darum, dass ich “Unsere” Einstellung zu “Denen” (Pädagogen und Bildner aus anderen Richtungen) für ungesund und teilweise auch arrogant halte. Ich kann vollkommen nachvollziehen, dass sich der @gibro, genervt und müde vom Kampf gegen Windmühlen, nach ein wenig Eduvögelei mit Gleichgesinnten sehnt. Mir geht es da nicht anders! Die Frage ist: Wie fruchtbar kann ein  Austausch in solch einer – mehr oder weniger exklusiven Gruppe – eigentlich sein? Ich zweifle stark daran, dass eine Gruppe mit einem dermaßen stark ausgeprägtem “Wir”-Gefühl vorhandenes Lehr- und Lernpotential vollständig ausschöpfen kann.

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“Wir” und “Die” – von Arroganz und Einbahnstraßen in der Bildungslandschaft

Was jetzt kommt ist in keinster Weise ein Vorwurf und wenn doch, dann kann ich mich selbst nicht von meinen eigenen Vorwürfen freisprechen. EIN JEDER PRÜFE SICH SELBST! Das erste Educamp 2013 steht kurz bevor und ich bin gespannt was und wie es dort passieren wird.

Zwei Jahre ist mein erstes Camp her (#ecbi11) und ich war damals schon ein wenig erstaunt über die “Bildungsfamilie” die sich dort zu einem zweitägigen Treffen eingefunden hatte. Man kannte und herzte sich und unterhielt sich auch ein bißchen über Bildung 2.0. Hier und da wurden kleine “Internetwitzeleien” ausgetauscht, die am Ende eines deutlich machten: “Wir” sind eine eingeschworene Gruppe. Es war ein Revival, ein geselliges Beisammensein, wie es harmonischer in den besten Familien kaum vorkommt. Natürlich gab es auch ein paar Missklänge, aber die sind ja Teil eines jeden Familientreffens.

Zwei Jahre später habe ich den Einruck, dass “Wir” begonnen / nicht aufgehört haben uns im Kreis zu drehen. “Wir” trinken den Saft in dem “Wir” schon ein ganzes Weilchen lustig baden und vergnügt plantschen. “Wir” nennen uns “Edupunks” – oder lassen uns so nennen – das schmeichelt und “Wir” wehren uns gegen diese Zuschreibung nur zum Schein (“Wir” haben / hatten(?!) sogar ein Maskottchen). “Wir” sind zu Experten auf einem Gebiet geworden, dass für  ”Die” da draußen immer noch “Terra Incognita” ist. Die digitale Revolution hat unser Denken verändert. “Wir” sind ins Netz gezogen und haben dort – mehr oder weniger große – Erfolge gefeiert. Man bucht uns nun als Reisführer für eine Welt, die für “Die” meisten nicht mehr als ein blaues, furchterregendes Layout zu sein scheint (“Wir” nennen es German Angst). Ha, da stehen “Die” wie lauter Ochsen vorm Zuckerberg. Natürlich brauchen “Die” Hilfe – diese ahnungslosen, armen, unwissenden. “Wir” wollen diese Hilfe gerne leisten, denn schließlich haben “Wir” die digitale Weisheit mit Löffeln gefressen.

“Das Internet, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2013! Dies sind die Abenteuer der Edupunks und netzaffinen Bildungsmenschen. Mit einer Vierhundertmann starken Besatzung sind wir fünf Jahre lang unterweg, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringen die Edupunks in Cyberspaces vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.”

“Wir” teilen also, weil uns das Internet “teilen” auf die Fahnen geschrieben hat. Codex und Nettiquette haben so viel für uns getan. OER, MOOC und Open spacige Barcamps – “Wir” geben bereitwillig und unterhaltsam Auskunft und sind dabei heimlich darauf bedacht nicht die ganze Nische auszuleuchten. “Wir” spielen “Wissensmonopoly” wie es Eliten seit jeher getan haben. “Wir” machen “Die” da draußen fit für eine Welt voller Gefahren und – “Wir” werden nicht müde das zu betonen – riesiger Chancen. Dabei sind “Wir” stets darauf bedacht uns mit eiserner Regelmäßigkeit auf uns selbst zu besinnen. Denn für eine gesunde Identität ist nichts wichtiger als zu wissen woher man kommt. Ein Blick in den “Bakhtinischen” Spiegel und “Wir” wissen wieder wer “Wir” eigentlich sind. Der Vorsprung vor den anderen ist immer noch beträchtlich – das sehen “Wir” immer wieder und “Wir” bestätigen uns das gerne gegenseitg… klopfen uns gegenseitig auf die digitalen Schultern. Die Tragik daran:

“Wir” denken in eine Richtung und die weist Netzwärts. Das “Die” da draußen gute Bildung machen und unsere digitale Dreidimensionalität bereichern könnten, kommt uns kaum mehr in den Sinn. “Wir” sind bezaubert von dem Feuerwerk, dass sich vor unseren Augen entfaltet, sobald wir unsere “Trickkisten” öffnen. “Wir” haben gefallen daran gefunden uns selbst zu täuschen. Das Internet und seine Möglichkeiten ist längst zum Selbstzweck geworden – ein Mittel, das seinen Zweck in Farbenfreude und Selbstreferentialität aus den Augen verloren hat.

Das ist natürlich überspitzt formuliert. Und trotzdem laufen “Wir” / laufe ich oftmals Gefahr neue Horizonte (digital und analog) zu übersehen, weil “Wir” / ich damit beschäftigt sind ein bisschen von dem Wenigen zu konservieren, dass “Wir” / ich zu verstehen glauben. Die möglichen Verschränkungen zwischen formalen, non-formalen und digitalen Lehr- und Lernmethoden bleiben unentdeckt. Ich würde mir wünschen, dass “Wir” weniger zusammen plantschen und das #echh13 dazu nutzen Komfort Zonen wieder zu verlassen. Aktivistisch rumgesessen haben ich lange genug.

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