OER Mini-LARP zum Thema Überwachung: “Register for CTRL”

Schwarze Schafe (Captain Borderline, City Leaks, Cologne)

Foto „Schwarze Schafe“ von Anselm Sellen unter CC BY 4.0.

“All you need is LARP”… wussten schon die Beatles. Und sie hatten (nicht) recht. Aber LARPs sind eine tolle Methode, um Wissen und Bewusstsein in einen Austausch zu bringen.

Ich habe also ein Live Action Role Play geschrieben (Wer nicht weiß was das sein soll, kann auch unseren Pottkast dazu hören), dass Jugendliche für das Thema Überwachung sensibilisieren soll. Ich habe dieses LARP vor zwei Tagen das erste mal mit einer deutsch-niederländischen Gruppe gespielt. Es war ein sehr guter Einstieg, weil es einen vielschichtigen Einstieg in die Thematik ermöglicht. Das LARP hat den Jugendlichen dabei geholfen, das Abstrakte und Verborgene von Überwachungspraktiken in einer alternativen Realität live und unmittelbar zu erleben. Das gesamte Spiel, mit allen Materialien, habe ich unter CC BY 3.0 auf issuu zum Download bereitgestellt. Hier geht es direkt zum Spiel/Download. Zur Zeit gibt es das Spiel nur auf Englisch, aber es ist nicht kompliziert und sollte auch mit Englischen Materialien ab 15 Jahren locker spielbar sein. Also lasst uns schwarze Schafe züchten (s.Bild). Hier die Story zum Spiel:

CTRL is a new Social Network. The next big thing online. Potential Users of the network are invited to „Register-Conventions“ to sign in to the network. The CTRL-network will launch only after all future users have taken part in a short procedure that connects their Online with their Offline identities. Privacy and data protection standards as well as technical details of the network are high. Users are promised that all their information are kept safe within the network. Receiving an invitation to one of these “Register-Conventions“ is a big deal and all over the “traditional“ social networks (Twitter, Facebook, etc.) people are asking for invitations to CTRL. Rumor has it that after a routine registration process a special kind of interview will lead to a new kind of profile for CTRL-users.

Für die Gruppe war dieses Spiel am ersten Tag der Auftakt in das politische Bildungsprojekt “CTRL-STRG”. Heute und morgen arbeiten die Jugendlichen – mit digitalen Medien – an Projekten mit Titeln wie z.B.”The front page of the internet. Reddit, voat and the end of edge ranking”, “Tor. Encryption. Paranoia. Do we all have to become nerds in order to survive?”, “Post-Privacy?! A fatalistic concept for a future without freedom?”, “Hoaxes – finding strategies within a flawed systems / Hacking information challenging reliability!”, “Cyberwar” etc.

Pottkast 006 “MiniLARPs und Evaluationstechniken” ist online.

Foto 03.06.15 15 35 34Gestern im Maker Space  der Stadtbibliothek Köln gepottkastet. Das Ergebnis gibt es jetzt HIER.

Eine kleine Ergänzung zum Inhalt: Warum halte ich digitale Evaluationstools zur Auswertung non-formaler Lernprozesse für nur bedingt sinnvoll?! Das Stichwort ist “Hidden Agenda”. Gerade in (interkulturellen) non-formalen Lernprozessen geschieht Bildung auf verschiedensten Ebenen. Es geht nicht mehr allein um das kognitive erfassen von Daten und Fakten (und ggf. um die Reproduktion und den Transfer dieses Wissens) sondern auch um “Global Competences“:

“Having an open mind while actively seeking to understand cultural norms and expectations of others, and leveraging this gained knowledge to interact, communicate and work effectively in diverse environments.”

Diese Kompetenzen werden im “Tun” erworben und können nicht angelesen, erschaut oder erschrieben werden. Wenn wir Lernprozesse gemeinsam mit Jugendlichen aus ganz Europa gestalten, dann müssen wir uns immer Zeit nehmen, um diese Prozesse angemessen zu durchleuchten, sichtbar zu machen und damit den Jugendlichen die Möglichkeit geben das Erlebte in Worte zu fassen. Durch die Evaluation können Jugendliche beginnen ihr eigenes Lernen zu hinterfragen und ein Bewusstsein für den globalen Kompetenzerwerb entwickeln. Im Kern ist Evaluation eng mit Sprechakttheoretischen Aspekten verbunden – über das Finden von Worten wird Bedeutung und damit Bewusstsein hergestellt… das ist für non-formale Lernprozesse unerlässlich.

Digitale Evaluationstechniken (Tricider, Kahoot, Mentimeter etc.) könnenin diesem Kontext allenfalls als Einstieg dienen. Ihr Nachteil sind die wenig kollaborativen Ansätze und die Rückbezüglichkeit in die Gruppe. Mehr Gedanken dazu hört ihr im Pottkast ab Minuten 6.55.

Rassenlehre by Immanuel Kant: Scientific Racism damals und heute

Vor ein paar Tagen habe ich einen Vortrag zum Thema “Scientific Racism” gehalten. Und die Fackel der Weisheit (Immanuel Kant) hat auch ein bisschen was dazu geschrieben (dieses “Bisschen” war übrigens ein wesentlicher Bestandteil der Rassenideologie in Ruanda – das Ergebnis kennen wir). Hier also die gesamte Präsentation.

PS Das zumindest dachte ich… preziloader.swf funktioniert nicht mehr. Danke Prezi. Einbettung ist damit nicht mehr möglich und selbst hosten will ich gerade nicht. Wer eine Idee hat, der darf sich gerne melden…

Hier also nur ein Link

Wenn die Propheten einbrächen. Nelly Sachs bei #Worthaus5

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,

den Tierkreis der Dämonengötter

wie einen schauerlichen Blumenkranz

ums Haupt gewunden –

die Geheimnisse der stürzenden und sich hebenden

Himmel mit den Schultern wiegend –

für die längst vom Schauer Fortgezogenen –
Wenn die Propheten einbrächen

durch Türen der Nacht,

die Sternenstraßen gezogen in ihren Handflächen

golden aufleuchten lassend –

für die längst im Schlaf Versunkenen –

Wenn die Propheten einbrächen

durch Türen der Nacht

mit ihren Worten Wunden reißend

in die Felder der Gewohnheit,

ein weit Entlegenes hereinholend

für den Tagelöhner

der längst nicht mehr wartet am Abend –

Wenn die Propheten einbrächen

durch Türen der Nacht

und ein Ohr wie eine Heimat suchten –
Ohr der Menschheit

du nesselverwachsenes,

würdest du hören?

Wenn die Stimme der Propheten

auf dem Flötengebein der ermordeten Kinder blasen würde,

die vom Märtyrerschrei verbrannten Lüfte ausatmete –

wenn sie eine Brücke aus verendeten Greisenseufzern baute –

Ohr der Menschheit
du mit dem kleinen Lauschen beschäftigtes, würdest du hören?
Wenn die Propheten

mit den Sturmschwingen der Ewigkeit hineinführen

wenn sie aufbrächen deinen Gehörgang mit den Worten:

Wer von euch will Krieg führen gegen ein Geheimnis

wer will den Sterntod erfinden?

Wenn die Propheten aufständen

in der Nacht der Menschheit

wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen,

Nacht der Menschheit

würdest du ein Herz zu vergeben haben?

Wir mussten reden! #RP15 WG002: Re:public Viewing

Foto 05.05.15 21 54 49Die Titelidee stammt ursprünglich von Peter Glaser, aber sie passt großartig zu unserer 2. Episode des rp15 WG Podcasts. Das ist hier die Quick and Dirty Version, Shownotes werden nachgereicht. Sprechende Menschen sind @karstenlucke @ralfa @joeranDE und @gibro

Dieser Link führt Euch zum Podcast auf dem dotcomblog.

Inhalte: Silversurfen mit Kindern. Reisen ins All. Stierhoden und Europa. Makerspaces. Der Podcast ist zwischen 24.00 und 1.00 Uhr entstanden. Wir möchten deshalb darauf hinweisen, dass dieser Podcast bitte nur nach 20.00 Uhr und auf keinen Fall von Kindern unter 18 Jahren angehört wird.

Methode “Twimeline” / Twitter Edu-Hack für die historisch-politische Bildung

Foto „#pb21 TOP 50“ von Anselm Sellen unter CC BY 4.0.

Foto „#Twimeline-Session“ von Anselm Sellen unter CC BY 4.0.

 

“Wir arbeiten heute zum Thema Geschichte!” und 25 Jugendliche rufen laut “Huraaa!”. Nicht. Die Geschichtssessions gehören zu unserer (politischen) Bildungsarbeit einfach dazu und wir haben schon vieles ausprobiert, um diese Zeit so schmerzlos wie möglich zu gestalten.

Neuste Idee ist das “Twimelining”. Wir haben alle iPads unserer Einrichtung (22) mit eigenen Twitteraccounts ausgestattet und den Jugendlichen in die Hand gedrückt. Jede Gruppe hatte die Aufgabe, sich in eine historische Periode hineinzuversetzen (letzte Woche war das die Zeit zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges und dem Mauerfall). Die Jugendlichen waren dann aufgefordert, Ereignisse aus der Zeit zu betrachten und entsprechend zu “vertwittern”.

Hinzu kam ein Perspektivenwechsel. Dekaden wurden doppelt vergeben (z.B. 1960 – 1970) und während eine Gruppe die West-Perspektive einnahm, hatte die andere Seite zur Aufgabe sich in die Ost-Position hineinzuversetzen.

Die Gruppen sollten 20 Tweets (immer mit Medien) in 2 Stunden absetzen und waren dazu aufgefordert die jeweils andere Seite der eigenen Dekade via Reply zu attackieren bzw. argumentativ auszuhebeln (“Tweet War”). In einigen Fällen hat das sehr gut geklappt… in anderen nicht.

Die 20 Tweets waren als Arbeitsauftrag deutlich zu hoch angesetzt. 10 Tweets in 2 Stunden wären realistischer gewesen. Da wir diese Varainte der Twimeline das erste Mal mit unterschiedlichen Perspektiven (und auch in einem interkulturellen Bildungskontext) “gespielt” haben, sind das aber Erfahrungswerte, die man in kommenden Session berücksichtigen kann.

Insgesamt haben die Jugendlichen zurückgemeldet, dass es ihnen Spaß gemacht hat, sich auf diese Art und Weise mit Geschichte auseinanderzusetzen und das besonders der Perspektivwechsel (Ost West) dabei geholfen habe, sich selbst mit einer anderen Sichtweise auf politische, soziale und kulturelle Ereignisse zu beschäftigen. An dieser Stelle kann das Twimelining dabei helfen eine eurozentristische Geschichtsschreibung zu hinterfragen und kritisch zu beleuchten.

Ergebnisse: Hier geht es zur Ostperspektive TWIMELINEEAST und hier zur Ostperspektive TWIMELINEWEST.

 

Oster-Wimmelbild mit @haekelschwein 

  

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