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Absurdes Theater – Auf offener See

Setting Auf offener See. Die Sonne brennt vom Himmel herab. Eine leichte Brise treibt vereinzelt Wolken vor sich her. Das Wasser ist ruhig. Auf dem Wasser treibt ein Floß – notdürftig aus Treibgut und Wrackteilen zusammengeflickt. Darauf stehen 2 Männer, zwischen ihnen sitzt ein kleiner Hund. Die beiden Männer sehen sich um, ihre Blicke treffen sich, sie erschrecken.

A: Ähhh… guten tag, ich war eigentlich davon ausgegangen alleine… [Er stockt, greift in die linke Tasche seines nassen Morgenmantels und kramt eine aufgeweichte Fahrkarte hervor. Er studiert sie eingehend, blickt dann auf.] sind sie sicher, dass sie hier richtig sind?“

B: Nun ja, das kommt ganz darauf an wo wir sind. [Er lässt seinen Blick schweifen, blickt dann angestrengt auf einen Punkt am Horizont.] Ich schätze wir sind irgendwo auf dem Meer und da wollte ich auch hin. [A schaut B ungläubig an, räuspert sich und wedelt verstohlen mit seiner Fahrkarte.]

A: [Sein Blick fällt auf die Karte. Er begreift] Oh natürlich, die Karte… [Nach einigem Suchen fördert auch er eine Fahrkarte aus seiner nassen Hose hervor.] Da ist sie ja. [Er hebt sie triumphierend über den Kopf, hält sie dann A hin.]

B: [Hebt abwehrend die Hände.] Nein, nein, lassen sie es gut sein. Ich wollte nur sichergehen… man verliert ja so leicht sein Ziel aus den Augen. Mir geht es jedenfalls oft so.

A: Sie haben ja recht. Manchmal wache ich nachts auf und weiß nicht wo ich mich befinde. [Es entsteht eine Pause. Die Männer nicken sich wissend zu.] Es liegt an den Rollläden. Ich mag es nicht, wenn sie unten sind, aber meine Frau… [er seufzt, erinnert sich – er lächelt erleichtert.] Aber jetzt ist sie ja tot. Ertrunken nehme ich an.

B: Meine auch… [leise lächelnd schauen die beiden hinaus auf die See. B bricht das Schweigen und dreht sich zu A um.] Verzeihen sie, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Wie dumm von mir. [Sie lachen verlegen]

A: Nein, wo sind nur unsere Manieren geblieben. Gestatten… [Er ergreift die ihm dargebotene Hand. Schüttelt sie heftig.]

B: Angenehm… [Sie schweigen wieder. Sind ein wenig verlegen.]

A: Wollen wir uns vielleicht setzen? [Er weist einladend auf den Boden des Floßes.]

B: Gerne, vielen dank. [Sie setzen sich einander gegenüber, in ihrer Mitte der Hund. B ist Bemüht das Gespräch in Gang zu halten und weist mit dem Kopf auf den Hund] Proviant?

A: Nein, Kalle.

B: Sie haben einen Hund mitgebracht? Ein süßer Kerl [Er tätschelt dem Hund den Kopf. Der Hund knurrt leise. Schnell zieht B die Hand zurück.] Ein süßer Kerl, wie heißt er denn?

A: Kalle! Er heißt Kalle. Meine Frau hat ihn so genannt. Ich hab ihn ihr abgenommen, als sie in das Rettungsboot kletterte.

B: [Nickt] Das war aber nett von ihnen. [Er stockt kurz und fährt dann stolz fort] Die Rettungsboote hatten Löcher. Große Löcher. Hat ein bisschen gedauert, das können sie mir glauben.

A: Ja, das kann ich mir vorstellen. Meine Frau konnte nicht gut schwimmen wissen sie. Ganz aufgeregt hat sie gewunken. [Die beiden nicken sich zu, B fängt an zu summen] Aber der Kalle, der schwimmt wie ein Weltmeister.

B: [Zögert kurz, klopft Kalle dann auf den Rücken. Kalle schnappt. A reibt sich die Hand, nickt anerkennend] Ein prächtiges Tier. [Aus der nassen Hose von A piepst es]

B: Ihr Handy klingelt! A: [Greift in seine Tasche holt das Handy hervor, schaut auf das Display, legt es dann zur Seite.] Ist nur der Akku. Fast leer.

B: Hmmm, [Es entsteht eine lange unangenehme Pause.] Haben sie Vertrag oder Karte?

A: Karte. Ein Vertrag würde sich für mich nicht lohnen. Ich telefoniere nicht viel. Höchstens mal mit meiner Frau, aber die…

B: … ist ja tot.

A: Ja richtig. Bei der Explosion im Maschinenraum hat der Motorblock ein riesiges Loch in die Bordwand gerissen. [Er fängt an zu strahlen] Der Zünder hat funktioniert. Sie hat es nicht mehr rechtzeitig geschafft.

B: Telefonieren wird für sie jetzt also noch günstiger?!

A: Ich nehme es an [Das Handy piepst wieder. Er nimmt es, schleudert es ins Wasser. B fängt an zu pfeifen. Kalle knurrt irritiert. A steht auf setzt sich an die Ecke des Floßes, lässt die Beine im Wasser baumeln und schaut in die Ferne. Nach einiger Zeit unterbricht B sein Gepfeife, er sieht Kalle an.]

B: [ruft A zu] Ein prächtiges Tier… [Kurze Pause] In China essen sie Hunde.

A: [Abwesend] Ach ja? Das wusste ich nicht. Bedienen sie sich.

B: Danke schön. [B erwürgt Kalle. Ruft A zu.] Möchten sie auch ein Stück?

A: Im Moment nicht, danke. [B isst mit Behagen, A starrt in die Ferne. Die Sonne geht langsam unter]

B: [Hat seine Mahlzeit beendet] Ich habe ihnen was übrig gelassen. [Er erhebt sich von der Floßkante, kommt herüber zu B, fängt an zu essen]

A: Das wäre nicht nötig gewesen. [Er kaut genussvoll]

B: [Er schaut ihm ein wenig beim essen zu.] Ich werde mich jetzt ein wenig ausruhen. [Er legt sich hin. In der Zwischenzeit hat auch A sein Mahl beendet. Er legt sich neben B. Auf ihre Ellenbögen gestützt blicken die beiden in den Sonnenuntergang. Sie seufzen behaglich.]

A: Ach Kalle.

B: Ein prächtiges Tier. [Licht aus. Nur das rauschen des Meeres ist in der Ferne noch zu hören.]

One thought on “Absurdes Theater – Auf offener See

  1. ach, kalle möchte man sagen. wunderbar surreal. schön, die fahrkarten kontrolle. schwarz fahren, ist auch auf einem floss unangenehm. ein paar kleine morde – eher nicht.

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