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Closed Shop vs. Opendata – die Netzelite fängt an sich selbst zu genügen

Vor kurzem klagte Sascha Lobo auf S.P.O.N über das elitäre Gehabe der deutschen Internetszene (zum Artikel). Er hat damit nicht unrecht und ich habe mich in vielen seiner Beobachtungen selbst wiedergefunden.Was jedoch ist die Konsequenz aus diesen Beobachtungen? Die Konsequenzen von exklusiven Gruppendynamiken werden nur grob umrissen. Auf Twitter-Misanthropentum und elitären Sarkasmus will ich gar nicht näher eingehen, aber vielleicht ist es an der Zeit die Stoßrichtungen und Konsequenzen dieser Dynamiken zu hinterfragen…

Es geht um Gruppen-Polarisierung: Zur Zeit lässt sich die Netzwerk-Entwicklung noch einmal im Zeitraffer beobachten. Der Launch von Google+ ist dabei ein Projekt, dass illustriert wie sich eine Elite formiert und re-networking betreibt. Es geht um die Herausbildung von Group-Thinking Strukturen und wie kollaborative Informationen am Ende dazu führen, dass sich Information-Cocoons bilden („communications universes in which we hear only what we choose and only what comforts and pleases us“)

Die Twitter Boheme formiert sich auf der neuen google+ Plattform gerade neu und zwar unter dem vorläufigen Ausschluss der (Welt-)Öffentlichkeit (Zutritt zu dem Sozialen Netzwerk bekommt man nur durch Einladungen). In meinen Circles finden sich mittlerweile die gleichen Leute wieder, die ich auch bei Twitter zu meinen Followern zähle bzw. denen ich folge. Am Ende des Tages treffen wir uns zum Hang Out und tauschen uns doch wieder über dieselben Dinge aus. „Every day, like-minded people can and do sort themselves into echo chambers of their own design, leading to wild errors, undue confidence, and unjustified extremism.“

Zur Zeit generiert sich das Netzwerk google+ vor allem aus gleichgesinnten, die nun eine komplette Welt ersteinmal für sich selbst erkunden können. Trotz der Durchlässigkeit des Systems (ich spreche von Durchlässigkeit im Vergleich zu Facebook) treffen sich hier Menschen, die zu einem großen Teil Opendata propagieren, dabei aber dem Irrtum erliegen, dass die vorhandenen und zusammengetragenen Informationen den Status-Quo dynmaischer Informationsflüsse darstellen. Vor dem Hintergrund geschlossener Netzwerke kann man die Offenheit von Daten leicht proklamieren, solange der Informationsstrom einer impliziten Restriktion durch seine Netzwerke unterliegt – da können die Daten so „Open“ sein wie sie wollen, solange die Netzwerke es nicht sind. Wobei die Geschlossenheit dieser sozialen Netzwerke nicht durch die systemischen und code-basierten Barrieren hergestellt wird, sondern durch die Geschlossenheit der Gruppen, die sich ihrer bedienen. Twitter als Microblogging System lädt dazu ein kryptische Texte zu schreiben und Informationen so zu verlinken, dass nur ein ausgewählter Teil von Nutzern tatsächlich in der Lage ist diese zu dechiffrieren. Netzwerker bestätigen sich selbst und gegenseitig immer wieder aufs Neue.

„It seems as if people are reading (and sharing information) that conform to their own existing beliefs . If this is so, polraization is inevitable. Liberals reading liberal blogs will end up more liberal; conservatives will become more conservative if they restrict themeselves to conservative blogs and information sources […]“

Quotes from: Sunstein, Cass R. Infotopia – How many minds produce knowledge. Oxford University Press, 2006

5 thoughts on “Closed Shop vs. Opendata – die Netzelite fängt an sich selbst zu genügen

  1. das ergibt sich aus dem gegenstand, mit dem sich ein großteil der netzler (von elite mag ich nicht sprechen) beschäftigt – nämlich bloß mit dem netz selbst. natürlich brauchen wir leute, die sich mit dem netz als gegenstand beschäftigen. in die irre gehn sie jedoch, wenn sie glauben, sie wären die einzigen im netz. wir anderen, die wir das netz als medium und als prinzip benutzen für andere gegenstände der tätigkeit, – in communities of practice – haben dieses nabelschau-problem nicht. je mehr menschen das netz als medium ihrer lebenstätigkeit (arbeit, lernen, spielen, socializen) selbstverständlich nutzen, desto weniger bedeutsam wird die netzelite / avantgarde / netzpopstars, denen das netz nicht bloß medium sondern auch der gegenstand ihrer lebenstätigkeit ist. kein wunder, dass sie jetzt über ihre rolle nachdenken müssen, denn wenn alle im netz sind, ist die historische aufgabe der „netzavantgarde“ erledigt. danke dafür.

  2. ot is here! ich stimme bedingt zu: Das Nabelschau-Problem ist ein weitläufiges und betrifft jede Art der Gruppenbildung und vielfach werden daraus Veranstaltungen die sich über den l’art pour l’art Gedanken verständigen und in der eigenen Hemisphäre (über den Wolken) verpuppen. Es geht auch gar nicht darum, diese Entwicklung zu verurteilen, dazu ist sie zu menschlich. Es ist einfach ein großer Verlust, wenn das zweifellos vorhandene Wissen und der dahinter zu vermutende Intellekt (den ich uns allen jetzt einfach mal unterstelle) sich zurückzieht, um sich innerhalb seines eigenen Horizontes mit monothematischen Inputs selbst zu degenerieren.

  3. Ganz profan ausgedrückt, halte ich diese Thesen für Quatsch.
    Natürlich werden diejenigen zuerst ein neues Tool nutzen, deren Lebensinhalt das Netz und die Netzwerke sind. Die laden sich auch gegenseitig ein – aber diese Personen berichten darüber und tragen das Tool in die Öffentlichkeit. Es sind auch diese Erst-User, die Tipps und Tricks beschreiben. Wer als „normaler“ User geht schon so weit in die Tiefe einer Anwendung. Also nicht elitär meckern, sondern produktiv mitarbeiten.

    Zu Twitter:
    „Twitter als Microblogging System lädt dazu ein kryptische Texte zu schreiben und Informationen so zu verlinken, dass nur ein ausgewählter Teil von Nutzern tatsächlich in der Lage ist diese zu dechiffrieren.“ Ich weiss nicht, wem Sie folgen, aber diese Aussage entspricht zumindest meiner Wahrnehmung absolut nicht!

  4. … das mutet nur so an. Nach 2 Wochen lesen und schreiben fühlt man sich wie der sprichwoertliche Fisch … im Netz 🙂 ….. die sog. Netzelite schliesst nicht aus, das ist vielmehr der -sympathische – Zweifel an sich selbst. Sag ich mal so aus Erfahrung.;)

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