Loading…

Denkanstößig – Informationssucht, Wiedereinführung der Studiengebühren und Stefan Heym

Es liegen ereignisreiche Tage mit einer Menge interssanter Gedanken und Eindrücke hinter mir. Drei Gedanken / Entdeckungen / Textexzerpte etc. pack ich mal hierhin, um sie breit diskutieren zu lassen (so denn Bereitschaft und Zeit vorhanden sind). Ich fange mal mit einer Idee an, die zu einem Aufschrei unter allen (ewigen) Studenten führen wird, im Kern aber die Lösung für zwei sehr aktuelle gesellschaftspolitische Probleme beinhaltet.

1. Ich bin für die bundesweite (wieder-)Einführung von Studiengebühren. Studenten in Studiengebühren-Ländern stehen meist vor der Pest-oder-Cholera-Finanzierungs-Wahl: Arbeiten und studieren oder Verschuldung durch die Inanspruchnahme eines Bildungskredites (hab‘ ich so gemacht – war scheiße). Wie dem auch sei, die Lösung naht: Warum nicht den aufkommenden Notstand an Freiwilligen für den neuen Bundesfreiwilligendienst mit den Studenten und ihren Studiengebühren verknüpfen: Jeder Student hat die Wahl entweder die Studiengebühren zu bezahlen, oder stattdessen 20 Stunden mtl. Freiwilligendienst in einer sozialen Einrichtung in Studienortnähe zu leisten (und bitte nennt diese Leute nicht Bufdis – wie schlecht ist das denn?).

2. Habe am Wochenende endlich wieder Zeit gehbat ein bißchen quer zu lesen. Hier einige kontroverse Gedanken aus dem Buch „Zwiegespräche“ von Prof. Michael Lukas Moeller (Psychoanalytiker / Universitäten Gießen und Frankfurt) zum Thema Wissen bzw. Information:

„Wissen ist heute das zentrale Produkt der Informationsgesellschaft. Wir müssen es herstellen und konsumieren. Wie alles expandiert auch das Wissen. Die Beschleunigung der Wissensproduktion läßt jede Information schnell veralten. Wir werden informationsabhängig, informationssüchtig, informationskrank. Es ist nur selten klar, ob Wissen uns orientiert oder verwirrt. Rudolf Augstein:  ‚das gedruckte Wort verliert an langsam an Kraft, es wächst die Zahl derer, die durch zu viele Informationen nicht mehr informiert sind.‚ Eine Krankheitslehre der Information steht zu erwarten. Ich trete also entschieden für maßvolles Wissen ein. So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Wir vergessen gern: Gemessen an der weltweiten Wissensexplosion werden auch die Wissbegierigsten und Lerneifrigsten unter uns täglich dümmer.“

3. Auch am Wochenende gelesen und als tiefgründig und zeitgleich unterhaltsam empfunden:  der deutsch-jüdische Schriftsteller und Alterpräsident des deutschen Bundestages Stefan Heym. Neben seinem schwierigen und wahrscheinlich bekanntesten Werk „Ahasver“ hat er auch viele andere Texte und Geschichten für seine Frau geschrieben:

„Ich bin geworden eine Very Important Person weil die Menschen mir gegeben haben ihr Vertrauen und ihre Stimme und mich hineingewählt haben in den großen Bundestag in welchem man kann votieren für das oder jenes Gesetz aber richtig entschieden darüber wird ganz woanders […]“ http___wissen.spiegel.de_wissen_image_show.html_did=42842963&aref=image035_E0543_PPM-SP197203901600160

4 thoughts on “Denkanstößig – Informationssucht, Wiedereinführung der Studiengebühren und Stefan Heym

  1. Studiengebühren oder Freiwilligendienst:
    Nette Idee, aber kaum durchsetzungsfähig. Man kürzt doch nicht die Schulzeit und streicht die Wehrpflicht um dann kollektiv alle Studierenden in einen gemeinnützigen Dienst zu bringen, der das Studium so oder so verlängert. Alle Bemühungen, das ‚Humankapital‘ schneller verfügbar zu machen, würden damit ja vergeblich sein.
    Ausreden sehe ich in dieser Kopplung eine gewisse Gefahr: Erstens: Wohlhabende Studierende kaufen sich von der gemeinnützigen Tätigkeit frei. D führt zu einer weiteren sozialen Selektion. Zweitens könnte durch die Kopplung von Freiwilligendienst und Studiengebühren eine Abhängigkeit geschaffen werden, die auch als Steuerungsinstrument eingesetzt werden könnte: Über die Höhe der Studiengebühren kann man die Auslastung der ehem. Zivistellen steuern.
    Die Kosten des Studiums sollten gesellschaftlich getragen werden.

    Ganz unabhängig davon würde ich es begrüßen, wenn man über eine generelles zivilgesellschaftliches Engagement nachdenken würde, welches jede/r ableisten muss.

    1. Für mich stellt sich die Frage nach der Defintion von Humankapital. Schließt sich der Begriff hier nicht automatisch aus, sobald die Debatte um einen verpflichtenden Freiwilligendienst entbrennt? Aber die Gefahr des Freikaufens beinhaltet immer auch die andere Seite, die des „Reinarbeitens“ von finanziell benachteiligten. Das System ist durchlässig und verliert seinen elitären Charakter. Mal ganz abgesehen von den Soft skills, die in diesem System erworben werden könnten.
      „Ganz unabhängig davon würde ich es begrüßen, wenn man über eine generelles zivilgesellschaftliches Engagement nachdenken würde, welches jede/r ableisten muss.“ Wir wollen also zum Glück zwingen? Mir gefällt das auch… wobei eine Umsetzung dieses Pflichtdienstes wahrscheinlich ebensowenig rückhalt finden würde, wie mein Vorschlag Studiengebührenerlass gegen Engagement. Ich hätte gerne ein Bundesland, dass jeweils eines dieser Projekte mal umsetzt.

  2. Das zulässige Wissen von außen durch Staat und System her beschränken zu wollen, erscheint mir als Gedanke, über den wir doch eigentlich seit der Weimarer Zeit hinausgewachsen sein sollten. Wie viel er wissen oder lernen will, sollte die ureigenste Entscheidung eines jeden Menschen selbst sein. Ein System, das da einen Riegel vorschieben wollte, wäre ein totalitäres System.

  3. Ich sehe das genauso… ich fand den Gedanken trotzdem erwähnenswert. Es ist ein sehr analoger Ansatz, der natürlich – aus dem Kontext gerissen – eine gefährliche Schlagrichtung entwickelt. Im Grunde verbirgt sich dahinter ja auch nur der Wunsch nach Strategien dem Chaos Herr zu werden.

Schreibe einen Kommentar