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#Guttenplag ist nur ein Produkt: Das deutsche Bildungssystem treibt uns schriftliche Verantwortung aus

In der Schule wurde uns beigebracht, dass in schriftlichen Aufsätzen unsere eigene Meinung von geringem Interesse sei – ein Absatz am Aufsatzende musste reichen. „Herr Sellen, Ihre Meinung interessiert nicht!“ An den Unis ein ähnliches Bild. Es wurde postuliert, dass der Autor eines Essays absolut unwichtig sei und hinter die Wissenschaftlichkeit von Inhalten zurücktreten müsse. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Regel kaum schriftliche Hochgenüsse befördert  – scheußliche Satzkonstruktionen, in denen jeder Autor sich verbal verrenkt, um ja nicht selbst in Erscheinung zu treten, waren die Folge – führt das kunstreiche umschiffen von „Autoritärer“ Sichtbarkeit zu dem Verlust von schriftlicher Verantwortung. Warum sollte ein Schüler, ein Student, ein Doktor sich für einen Text verantworten wollen, dem er sich in keinster Weise verbunden fühlt, aus dem er sich selbst ausgestoßen hat bzw. sich selbst ausstßen mußte? Wenn ich als Autor keinen Platz mehr in meinem eigenen Text finde – wissenschaftlich oder nicht – dann fehlt mir die emotionale Bindung zu meinem vormals ureigenen Interesse. Ich verstecke mich hinter Zitaten und Arbeiten, die ebenfalls keinen erkennbaren Autor haben. Und wo kein Autor ist, dem ich einen Text explizit zuordenen kann, da kann ich auch niemanden bestehlen. Ein wissenschaftlicher Text in dem das „Ich“ keine Rolle mehr spielt birgt Gefahren. Ein solcher Standpunkt kann in Diskursen über Migration, Rassismus und Minderheiten zu ernsthaften Irritationen führen:

„A culturally neutral“ etic account about racialized issues seems hardly possible (if not highly unsolicited), when it comes to entering the strenuous field of cultural studies from a white perspective. Hence, entering cultural and political discourses requires clarification of viewpoint and voice in order to level and create a common ground, on which exchange (scholarly and
cultural) can be staged exhaustively by transparent (Self-) identities.

Es geht um eine Transparenz die den Dichotomien Leser/Text und Autor/Text entgegenwirken kann bzw. die bewusst eingezogenen Barrieren aufweichen kann und es geht auch darum den Mut zum eigenen Text wieder zu fördern.  Noch ein wenig Zweifelhafter ist die Position die einige statt ihrer Autorschaft anzunehmen versuchen. Über die Emiritierung des Autoren-Selbst (Die Befreiung des Autors von seinen ureignesten Pflichten) kann sich der Autor eine neue Identität zuschreiben: Einen „divine viewpoint“! Diese „göttliche Betrachtung“ von Forschungsgegenständen ist eine Konsequenz des ausgestoßenen Autoren-„Ichs“. In der jüngeren Vergangenheit sind diese Positionen vermehrt zum Vorschein gekommen. Wie sonst ließe sich erklären, dass ein zu Guttenberg sich zu der Aussage, dass nicht er wissenschaftlich fehlerhaft gearbeitet habe, sondern seine Quellen. Auch im Fall von Silvana Koch-Mehrin wird ein gerüttelt Maß an Verblendung sichtbar (Frau Koch-Mehrin will sich gegen die Aberkennung ihres Doktortitels nun gerichtlich wehren).

White American writer Crispin Sartwell faced a very similar problem. In his African-American studies Act Like You Know Sartwell cites Houston Baker: “For a white person to write about African-American life and popular culture would be colonializing and disingenuous”. This quote evokes in me feelings of guilt and apprehension – an anxiety that in the process of analyzing pieces of African-American (popular) culture, my white voice might eventually assume and exert oppressive powers over African-Americans again. Thus, I want to be careful to put my voice into a place that processes, digests and exposes cultural phenomena like racism, supremacy and hegemony. I will try to remain visible in the text by fostering a rather autobiographical voice, instead of disguising it with a particularly divine academic tone. Monique Roelofs argues vehemently against this approach stating that, Selfdeclarations in order to create “culturally neutral” etic accounts about cultural issues seems hardly possible (if not highly unsolicited). Hence, entering discourse requires clarification of viewpoint and voice in order to level and create a common ground, on which exchange (scholarly and cultural) can be staged exhaustively by transparent (Self-) identities.

Gründe genug, um an dieser Stelle zum Zwecke der Herstellung von Transparenz, den Status Quo zu hinterfragen und darüber nachzudenken, ob das Bildungssystem an dieser Stelle nicht nachbessern bzw. umdenken sollte. Mündige Autoren wissenschaftlicher Texte gibt es besonders im deutschen Sprachraum zu wenige. Dafür haben wir eine Menge Halbgötter die sich hinter ihren Texten verstecken und der Illusion erliegen sie selbst seien nicht verantwortlich führ ihre eigenen (Fehl-)leistungen.

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