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Aarrrr: Piraterie, und Genossenschaftsgefühle

Das Finanzkapital ist spätestens seit der großen Krise entzaubert. Was ist mit dem viel verwendeten Schlagwort „Sozialkapital“, das Wohlstand aus Gemeinschaft schaffen soll? Gerade vor dem Hintergrund der Debatte um das Betreuungsgeld – das z.B. Hartz IV Empfängern nicht zur Verfügung stehen soll – zeigt wie dringend wir ein gerechteres Sozialsystem benötigen, denn es zeichnet sich klar ab, dass Genossenschaftsformen und Gedanken ein Zeichen für Politikverdrossenheit sind. Genossenschaften versprechen Teilhabe, denn „Mitsprache ist nicht am Kapital orientiert, also nicht an der Höhe der Einlagen, sondern jedes Mitglied ist gleichberechtigt. Und das andere ist – man spricht von einem Doppelcharakter -, die Genossenschaft ist Wirtschafts- und Sozialorganisation. Eine Genossenschaft muss sich ökonomisch wie sozial verantwortlich verhalten.“ Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2012 zum internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt. Inwiefern kann das Genossenschaftsprinzip alternative Handlungsmöglichkeiten bieten und inwieweit finden sich genossenschaftliche Ideen in aktuellen (digitalen) Diskursen wieder? Das Urprinzip der Genossenschaft basiert auf der Idee, dass der Knappheit von Ressourcen durch intelligente Verteilung entgegengewirkt werden kann. Zwischen der Gemeinschaft und dem Staat kann eine Genossenschaft eine wichtige Funktion übernehmen. Ein Beispiel für eine noch engere Verwebung von Gemeinschaft und Staat auf dem Prinzip der Genossenschaft ist Dänemark – dort empfinden sich viele Menschen als Teilhaber des Staates. So wird das Prinzip „Genossenschaft zu einem Lebensgefühl, das sich aus dem Fehlen von Renditeansprüchen generiert. In Dänemark heißt das ganz praktisch, dass dänische Arbeitnehmer können ihr Arbeitsverhältnis jederzeit kündigen, wenn ihnen die Arbeit oder die Arbeitsbedingungen nicht gefallen, ohne dabei Einkommenseinbußen befürchten zu müssen.Die Dänen bekommen 90% ihres letzten Netto-Gehaltes als Arbeitslosengeld. Und trotzdem ist nicht der Wohlstand des Einzelnen der Anspruch, sondern das die Leistung der Genossenschaft erbracht wird.

1.       Beispiel: Das Gasthaus Bolando im Badischen. Das Gasthaus vor Ort wurde von 200 Anwohnern in Form einer Genossenschaft gegründet, nachdem jeder der Anwohner einen Betrag von 1000,00 € in das Projekt investiert hatte. Das Gasthaus trägt sich mittlerweile selbst und ist für sein außerordentliches Preis- Leistungsverhältnis bekannt.

2.       Beispiel: Die taz ist seit 1992 eine Genossenschaft. Mehr als 11.000 LeserInnen Mitarbeitende („werde taz-Genosse“) sichern seitdem die wirtschaftliche und publizistische Unabhängigkeit „ihrer“ Zeitung. Gemeinsam halten sie ein Genossenschaftskapital von 11 Mio. Euro. Tendenz: steigend.

Innerhalb von Genossenschaftlichen Ordnungen stehen die Menschen einander nicht länger erpresserisch gegenüber. Niemand muss länger fürchten von seinem Nächsten in irgendeiner Form sanktioniert zu werden. Das Gegenteil ist der Fall: Hierarchien verflachen, Partizipationsmöglichkeiten richten sich nicht mehr nach ökonomischen Voraussetzungen, weil sich die Beteiligung nach dem zuvor geleisteten gleichen Einsatz von Mitteln richten muss. Eine Verbesserung des Sozialklimas ist zwangsläufig die Folge. Durch die gleiche Investition kann die ökonomische Motivation in genossenschaftlichen Verhältnissen nicht mehr maßgebend sein. An ihre Stelle tritt die Sehnsucht nach einer neuen Identität durch die Bildung familiärer Strukturen. Das Genossenschaftsprinzip ist eine Rückbesinnung, eine Absage an die Globalisierung. An dieser Stelle der Utopie in einem marktwirtschaftlichen System entwickeln sich Schnittstellen an denen besonders die Piratenpartei Anschlüsse findet und damit offensichtlich Nerven trifft. Die Forderungen nach Transparenz, offenen Daten und der Umgang mit Urheberrechten sind im Kern zutiefst genossenschaftlich. Womit Röslers Spruch: „Piraten sind eine Linkspartei mit Internetanschluss“, wenigstens in dieser Hinsicht teilweise zutrifft (habe ich gerade einen FDP-Menschen zitiert, ohne ihm in massiv zu widersprechen?). Warum aber sollten diese Forderungen per se falsch oder verwerflich sein? Lediglich die Monothematisierung ist ein Problem… das mangelhafte „darüber hinausdenken“ kann und muss den Piraten zum Vorwurf gemacht werden (und das auch nur, wenn sie den Anspruch hat Volkspartei zu werden). Transparenz und Offenheit können gesellschaftlichen Veränderungen Vorschub leisten, am Ende aber sind sie zwei Faktoren von vielen, die letztendlich den Genossenschaftsgedanken konstituieren. Eine Stärkung genossenschaftlicher Strukturen, das zeigen die Beispiele Norwegen, Dänemark und auch die Schweiz, kann ganz unzweifelhaft zu positiven Ergebnissen führen. All diese Länder sind wirtschaftlich enorm erfolgreich. In der Schweiz z.B. wird der gesamte Handel genossenschaftlich betrieben. Dort sind z.B. sämtliche Supermärkte genossenschaftlich organisiert. Das führt zu einem Mehr an Arbeitsplatzzufriedenheit, Qualität der Leistungen und zu einer Steigerung der regionalen Wertschöpfung.

2 thoughts on “Aarrrr: Piraterie, und Genossenschaftsgefühle

  1. Sehr gut!
    Was meinst Du mit „darüber hinaus“ denken? Tut dies nicht v.a. die Wissenschaft, aus der die Piraten vermutlich gerne schöpfen.

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