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Inspired by re:publica – „About Me – die digitale Fassade“

Session mit Kixka Nebraska „About Me – die digitale Fassade“ war sehr gut. Folgende Gedanken dazu:

Foucault kommt in der Beschreibung der Auswirkung permanenter Überwachung in einem Gefängnis („der panoptische Turm„)  zu dem Schluss, dass der Umstand der Überwachung von Gefangenen internalisiert wird. Der Gefangene wird das Gefühl des Überwachtwerdens nicht los. In dem bewusstsein der Überwachung fängt der Gefangene zwangsläufig an sich selbst zu überwachen. Sein Benehmen, seine Identität wird beeinflusst und entsteht durch die angenommenen Augen die scheinbar ständig auf ihn gerichtet sind.

An dieser Stelle wird dieses Phänomen auf den User / Bewohner der sozialen Netzwerke übertragen. Das Beispiel hinkt ein wenig, denn schließlich begibt sich der Netzbewohner völlig freiwillig in die Situation der Überwachung, indem er sich Selbst / sein selbst über die Veräußerung seiner Daten in die Überwachung und damit in ein Identitätsstiftendes Moment bringt (an dieser Stelle kommt auch der Begriff „Kontrollverlust“ ins Spiel, auf den ich hier aber nicht näher eingehe).

Die freiwillige Überwachungssituation führt zur Selbstüberwachung. Das Selbst des Netzbewohners bildet sich über das Selbst – ohne dass ein echtes Gegenüber vorhanden wäre. Ein Gegenüber das für die Identitätsbildung maßgebend ist: Wir betrachten, konstituieren und verändern unser digitales Selbst immer auf der Grundlage einer implizierten Selbstwahrnehmung: “one looks in and through the eyes of the other; one needs the other’s gaze to constitute oneself as self”

Im ständigen Überwachungsmodus des Netzes entfällt  für den Netzbewohner das konkrete Gegenüber (auch wenn er es nur impliziert) und wird durch Öffentlichkeit (die Vielzahl an „Freunden“) ersetzt. Der Blick auf sein Selbst wird im sozialen Netzwerk durch ein Blickprisma ersetzt. Das Selbst des Netzbewohners wird nun nicht mehr durch einen Bezugspunkt konstituiert, sondern durch eine Vielzahl von Augen. Auf der Suche nach seinem Selbst muss der überwachte Netzbewohner nun in vielen „Augen lesen“. Seine Identität setzt sich nunmehr aus einer Vielzahl an implizierten Wahrnehmungen seines Selbst zusammen. Der Netzbewohner ohne Fixpunkt kann seine Identität nicht mehr  (re-)konstruieren. Am Ende führt die Überwachung durch eine selbstgewählte Öffentlichkeit dazu, dass die Identität des Netzbewohners niemandem – auch seinem Selbst nicht – mehr gerecht werden kann.

Zum Weiterlesen:

The dualistic Internet: At the Manichean divide a new species emerges

Socially orchestrated voices and core-Selfs within Social Networks

Digitale Identitätsspaltung – Wie das Soziale Netz unser Selbst vervielfältigt

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