Loading…

von der Leidenschaft in der (politischen) Bildung

Als ich letzte Woche aus einem @thinkeurope Jugendseminar gekommen bin, haben mich mich viele Gedanken bewegt. Zu dem Seminar war eine Gruppe von 23 Jugendlichen (16-18 Jahre) gekommen, die mit dem Thema „Europa.Politik.Du“ zunächst gar nichts anfangen konnten. Gleichgültigkeit und Desinteresse waren reichlich vorhanden.

Warum? Warum nicht mehr Interesse? Warum nicht mehr Interesse entwickeln wollen? Warum lieber 5 Tage eine Faust im Gesicht zur Schau tragen, als das Beste aus so einer Veranstaltung machen. Ok, bin mal ehrlich: Europa und europäische Politik, Institutionen, Richtlinien vs. Verordnungen, Integrationsprozess – all das sind keine Themen bei denen 16jährige spontan in große Jubelarien ausbrechen. Wäre ich in dem Alter sicher auch nicht. Aber die Alternative 5 Tage gar keinen Bock und stattdessen viel schlechte Laune zu haben kann es doch auch nicht sein…

Ich schweife ab! Das hier soll natürlich keine Generalabrechnung mit unseren „ach so schrecklichen Zukunftsgenerationen werden.“ Vielmehr soll das hier ein Plädoyer für mehr Leidenschaft in der (politischen) Bildung sein. Meine 23 Jugendlichen haben diese im Laufe des Seminars nämlich entdeckt: Haben sich mit den digitalen Methoden und Medien auseinandergesetzt, haben sich im Planspiel verbal (und auf einem sehr hohen Niveau) die Köpfe eingeschlagen. Und im Google-Streetview Quiz erbittert um den Sieg gekämpft. Es war großartig. Da ist Leidenschaft, da ist Kompromisslosigkeit. Da ist Kreativität und da ist Partisanenmentalität unter den Jugendlichen. Zu selten sind wir „Bildner“, Lehrer, Multiplikatoren etc. in der Lage diese Dinge, bei den Menschen mit denen wir Arbeiten zu befördern und freizulegen. Wir haben die Label „Bildung“ und „Politik“ semantisch völlig falsch befüllt. In der Schule haben die Jugendlichen oftmals Lehrer/innen die genauso viel Leidenschaft für ihre Fächer und den Unterrichtsstoff aufbringen wie ihre Schüler – wenig! Ich will hier gar nicht schlecht über Lehrer/innen sprechen. Es gibt tolle Lehrer und ich kenne einige von ihnen. Aber es gibt eben auch viele Lehrer/innen, die ihren Schüler/innen den Spaß an Bildung austreiben. Die gesamte Bildungslandschaft (formal und non-formal) kommt zu häufig ohne Leidenschaft daher (und das sehr wohl auch in der Wahrnehmung der Jugendlichen).

Dabei hat gerade die non-formale, projektorientierte Bildung den ganz großen Vorteil, dass sie ohne Rücksicht auf langjährigen Stress mit unzufriedenen Teilnehmenden, auf den Punkt genau herausfordern kann. Aber statt diesen Vorteil in pädagogischen und digitalen Ansätzen konsequent zu verfolgen sehe ich viel Stromlinienförmige Bildung in diesem Bereich. Wenn ich manchmal die einschlägigen Broschüren aufschlage und von „Europa-Puzzle“ oder „interssanten Vorträgen“ lese dann wird mir übel. Ich sehe vor meinem inneren Auge Bildner die nichts anderes tun als den Staus Quo ihrer einstmals innovativen Bildung zu verwalten. Oder aber solche die geschniegelt und gestriegelt und voller Enthusiasmus die Botschaft „geht wählen. Das ist wichtig!“ verbreiten als wäre es das Evangelium.

Ich habe keinen Bock darauf Jugendlichen zu sagen, dass sie wählen gehen sollen, um diesen weisen Ratschlag dann als Partizipation zu verkaufen. Ich bin natürlich dafür, dass die Jugendlichen wählen gehen, aber dabei kann es doch nicht bleiben – das wäre doch bescheuert). Da liegt ein Netz voll von ungeahnten Möglichkeiten und Methodiken direkt vor uns und wir ergehen uns in den ewig selben Bildungsformaten? Das kann nicht wahr sein! Ich will, dass wir uns zusammen auf den Weg machen und (e)Partizipationsstratgien entwickeln, die es uns ermöglichen unsere Stimmen bei Entscheidungsträgern hörbar zu machen. Ich will begeisterte Kämpfer und keine gleichgültigen Jugendlichen die in der Hoffnung auf das abendliche Besäufniss meine Seminare erdulden.

Im Juni habe ich ein einwöchiges internationales Projekt (wird unter impulse12.wordpress.com zu verfolgen sein). Die Kommunikation mit den 60 Jugendlichen aus 7 Nationen ist schon vor Wochen angelaufen. Das Seminar läuft unter dem Titel: „Social e://europe – Digitale Transformation der europäischen Gesellschaft.“ Ich hoffe auf einen kreativen Big Bang. Wir wollen eine Begegnung die alle aus ihren Komfortzonen katapultiert und Leidenschaft entfacht – und zwar nicht nur bei den abendlichen Parties. Das klingt so idealistisch, aber auf weniger habe ich einfach keinen Bock! und wenn es am Ende nicht klappt, dann haben wir es wenigstens versucht…

Mein Traum ist, dass wir alle zum Stachel im Fleisch der Systeme werden (politische Systeme, Bildungssysteme, Schulsysteme etc.). Jedesmal wenn wir @thinkeurope Seminare machen, will ich ein genervtes Stöhnen von Entscheidungsträgern hören. „Oh nein, jetzt kommen die schon wieder und gehen uns auf den Sack. Diese Jugendlichen sind ungehobelt, sind frech, sind laut dabei und bunt und subversiv im Netz unterwegs und wollen ständig Antworten. ES NERVT!“ Genau so muß das klingen. Ich will etwas das so klingt wie „Edulution“: Eine Mischung aus Bildung, Revolution und Evolution“ Die Ziele der Bildung sind doch immer noch die gleichen, aber jetzt muss es einfach mal krachen. In dieser Hoffnung – #undallesoyeah

One thought on “von der Leidenschaft in der (politischen) Bildung

Schreibe einen Kommentar