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+++EIL+++ Streitkultur von Harmonie erwürgt!

In unseren Seminar stellen wir eines immer wieder fest: Jugendliche verlieren zunehmend die Fähigkeit, sich konstruktiv zu streiten. Den Jugendlichen fällt es schwer leidenschaftliche und hitzige Debatten zu führen. Die kräftigen rhetorischen Stilmittel sind den meisten systematisch ausgetrieben worden – und so beschimpfen sie sich auf den Straßen und nicht sachdienlich in  Bildungskontexten bzw. politischen Auseinandersetzung. Das ist natürlich überspitzt formuliert, soll aber die eine Beobachtung verdeutlichen: In einer ernsthaften Auseinandesetzung können die Jugendlichen, sobald der Ton rauher wird, rhetorisch nicht mehr mithalten, weil sie nicht gelernt haben wie genau sie Pauken-und-Trompeten-Retorik begegnen können. Wie können wir da erwarten, dass sich diese Jugendlichen in der politischen Auseinandersetzung mit z.B. aggressivem rechten Gedankengut behaupten können?

Und so sitzen die Jugendlichen in politischen Planspielen und unterhalten sich äußerst gesittet über die Notwendigkeit der Proliferation oder den Einsatz chemischer Waffen. Die Konfliktfähigkeit ist dem Harmoniebedürfnis gewichen. Von klein auf kriegen wir gesagt: „Sei lieb!“, „Mach ei!“, „solche Worte will ich hier nicht hören!“, „hört doch mal auf zu streiten!“ etc. Ein Konflikt ist zu etwas schlechtem geworden, etwas das es zu vermeiden gilt. Und wenn der Knflikt schon nicht vermieden werden kann, dann soll er wenigstens schnell beigelet werden, um Harmonie wieder herzustellen. Dabei wird der Kompromiss als Allheilmittel gepriesen. Den Anderen in seiner Meinung auch einfach mal stehen zu lassen, einen Konflikt nicht zu lösen, sondern mit der „Ungelöstheit“ zu leben, ist keine Option mehr.

Unsere Jugendlichen haben sehr große Probleme damit, einmal keine Lösung zum Konflikt herbeizuführen. Sie empfinden das Ausbleiben der Konfliktlösung niemals als Ergebnis, sondern als frustrierende Erfahrung. Das „Happy End“ – die Harmonie am Ende der Auseinandersetzung – bleibt aus und wird als Makel empfunden. Das ist schade, denn letzten Endes ist diese Frustration nur die konsequente Fortsetzung einer verkümmerten Streit- und Konfliktkultur. Es wäre wünschenswert den Jugendlichen mehr rhetorische Mittel an die Hand zu geben und mit ihnen eine kreative Gesprächskultur zu entdecken; von mehr Leidenschaft mal ganz zu schweigen. Harte Arbeit.

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