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Die Erotik non-formalen Lernens

Was bisher geschah

Bin in Luxemburg gewesen – vier Tage lang. Und getankt habe ich da auch. Aber hauptsächlich bin ich dort in offene Messer gelaufen, bin über mich, meine Arbeit und meine politische Bildungspraxis gestolpert. Der Rahmen: Ein SALTO-Training („Jugend in Aktion“ gefördert von der europäischen Kommission) unter dem Titel „The Power of non-formal education“ (was für ein dämlicher Titel für eine solche Veranstaltung). In der Folge einige Gedanken zur Selbst-Therapie und Gedankenordnung. Ein bisschen Self-assessement für mich und für ein paar, die an non-formalen Prozessen interessiert sind.

Die Erfahrung und der Rahmen

Zusammen mit 27 Youth Workern aus 20 Ländern bin ich an Grenzen gestoßen und auf einmal liegt wieder eine Menge Arbeit vor mir. Es ist mir schon vorher um Leidenschaft in der politischen Jugendbildung gegangen. Non-Formalismus ist mit Sicherheit ein Schlüssel dazu. Die Ideen sind nicht neu und trotzdem ist das gesamt mindset dahinter ein derart komplexer und ganzheitlicher Ansatz, der viele Lernprozesse und Bemühungen der (außer-)schulischen Bildung ad absurdum führt bzw. kraftlos erscheinen lässt.

Konkret: In einer 4 x 25 minütigen Session haben wir Jahrhunderte politischer Prozesse durchlebt, haben revoltiert, wurden unterdrückt, haben eine Demokratie geschaffen, sind gegen Opportunismus geschwommen, haben zugeschaut wie Menschen gefoltert und verschleppt wurden, fühlten uns kraft- und hilflos, sind mit unserem Intellekt an Mauern zerschellt – unfassbar!!

Ohne manipuliert worden zu sein, sind wir zu Völkermördern und korrupten Politikern geworden, haben Menschen diskriminiert und kategorisiert, haben Menschenrechte verletzt und eine Welt vernichtet.

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Wordl zu Debriefing Session – „What have you felt?“

Die Teilnehmenden (wir inkl. ich) sind in der (politischen) Jugendbildung beschäftigt, arbeiten an Universitäten, an Theatern, in Think Tanks, sind Theoretiker und Praktiker und trotzdem haben wir alle das Potential non-formalen Lernens gnadenlos unterschätzt.

Für mich wird es darum gehen viele kleine Details in politischer und digitaler Jugendbildung mehr Beachtung zu schenken, um ein großes Ziel zu erreichen: Jugendliche in politischer Verantwortung und echter gesellschaftliche Teilhabe! Viele Gedanken, Methoden und Projekte stehen plötzlich auf dem Prüfstand und ich werde mir wohl oder übel die Zeit nehmen müssen, um umzudenken und neuen Strukturen Raum zu geben.

Womit ist in der Zukunft zu rechnen?

Projekte brauchen keine Musik, Projekte und Sessions brauchen Soundtracks / Scene Setting: Licht, Raum, Zeit, (Raum-)Temperaturen, Materialqualitäten, Körper etc. / „Learning needs to be put into words“ – Mehr Raum, Zeit und Vielfalt in und für Debriefing-Sessions / Bildung kann und darf wehtun / „Participants don’t have to love you!“ / Begleitpersonen und Lehrer/innen dürfen sich aus den Projekten nicht mehr verabschieden. Ich denke darüber nach ein vollkommen neues Projekt anzustoßen – unabhängig von meiner eigenen Bildungsstätte und mit ganz neuen Ausrichtungen und Zielgruppen.

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