“The truest characters of ignorance are vanity and pride and arrogance.” – Samuel Butler

Haben wir allen ernstes geglaubt, dass die Freiheit des Netzes über zutiefst menschlichen Kleingeist triumphiert? Ist die Schwarmintelligenz – das Bereitstellen von geistigem “Eigentum”, bei gleichzeitigem Verzicht auf persönliches Urheberrecht – am Ende nicht doch nur utopisches Wunschdenken?

Ich bin zuletzt immer häufiger über persönliche Befindlichkeiten gestolpert und einigermaßen überrascht von den vielen inneren Schweinehunden, die nach Anerkennung lechzen und gleichzeitig mit Begriffen wie “Open Data”, “Open Education Ressources”, “freie Bildung”, “Sharing” etc. um sich schmeißen. Andere wiederum beanspruchen einfachste Hashtags als kreativen Schöpfungsakt, der ein exklusives Nutzungsrecht desselben beinhaltet.  Ich bin schon gebeten worden, den einen oder anderen Tag nicht zu benutzen – irgendwer befürchtet wohl die Verunreinigung seines eigenen göttlichen Gedankenguts. “[...] komm runter von deinem hohen Ross und macht die Türen weit auf von deinem Luftschloss und lass die anderen rein, du kleines Egoschwein, denn keine Band dieser Welt spielt für dich allein [...]“

Das “Erscheinen” auf Barcamps und offenen Veranstaltungen  wird von einer persönlichen Einladung abhängig gemacht und in geistiger Umnachtung werden syntaktische Schattengefechte um Titel, Thesen, Themen und Temperamente geführt. In diesem Internet ist eben doch vieles wie immer – der Mensch ist noch immer des Menschen Wolf und fordert immer noch vehement was ihm seiner Meinung nach zusteht. Besonders absurd ist diese bewahrende Haltung, wenn Menschen sich selbst und ihre “wichtigen” Beiträge im Netz verbreiten wollen. Über “Kontrollverlust” schreiben – GERNE! Kontrollverlust leben – NEIN DANKE!

Beispiel: “OER” – wer hat’s erfunden? Und plötzlich macht dieses Projekt selbst Schritte, weil viele davon betroffen und begeistert sind entwickelt es eine ganz eigene Dynamik. Wenig später entstehen Blogbeiträge und Webcasts zu dem Thema, ohne das der Urheber solcherlei Majestätsbeleidigungen autorisiert hätte. Auf das Podium zur thematischen Diskussion werden auf einmal auch andere geladen – so war das aber nicht gedacht. Internet und Teilhabe schön und gut, aber alles in Grenzen bitte. Und schon wird man selbst wieder zu der Art Bewahrer, die man vorher so häufig an den Pranger gestellt hat.

Besonders absurd ist diese Haltung, wenn es um Online-Projekte geht. Solche Projekte schaffen sich selbst, sondern bilden sich über soziale Interaktionen heraus: Eine gemeinsame “Betroffenheit”, der persönliche Austausch, die inspiration von und durch verschiedenste Gegenüber. Ein Online-Projekt ist immer auch kreatives Patchwork. Jeder Urheber der ein Werk, Projekt, den Text, das Bild etc. hervorbringt, wurde von einer Vielzahl anderer Geister geprägt. Das heißt die “Geister” vieler konstituieren einen “neuen” Geist und bringen durch ihn neue Dinge hervor – Dinge die in diesem Zusammenhang unmöglich nur einem Urheber zugeordnet werden können.

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