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Elektrofotografie – der #Selfie aus historischer Perspektive

Auch heute – mit Anfang Dreißig – ist die Elektrofotografie noch immer eine Versuchung. Alleine im Büro, überkommt mich noch immer dieser Drang nach Selbstvervielfältigung. Die Motiv(ation)? Ominpräsenz! Damals wie heute! Früher nannte man dieses Selfie-Verfahren noch Xerografie… heute heißt es Instagram.

Vintage-Selfie by by Anselm Sellen unter CC BY 4.0
„Vintage-Selfie“ by Anselm Sellen unter CC BY 4.0

Der Elektrofotograf macht es den Menschen seit den 1930er Jahren möglich dem Bedürfnis nach Selbstablichtung nachzugeben. Das Gesicht mit geblähten Backen auf die kalte Glasscheibe gepresst, die Augen fest geschlossen und nach nur wenigen Sekundenbruchteilen in gleißendem Licht wird der Traum wahr: Die Ich-Kopie! Der #Selfie kommt aus dem Vorgestern und war schon immer Bestandteil fotografischer Gedächtnisforschung. Auch das Sexting erlebte auf dem Kopierer seine Geburtsstunde, denn mit Hilfe dieses wunderbaren Gerätes lassen sich sämtliche Körperteile monochromatisch und Originalgetreu abbilden (Protipp: Mit Hilfe der Zoom-Funktion können auch kleinere Körperteile in die richtige Perspektive gerückt werden) und postalisch zielgenau versenden. Ganze Porno-Filmreihen und Jugendphantasien haben sich um und auf dem Kopierer gedreht. Die Erotik kühlen Lichtes, das die menschliche Triebhaftigkeit zwischen weißen, fensterlosen Wänden schonungslos ausleuchtet. Und Mittendrin der Protagonist – Der Kopierer, der unablässig und aufgrund der stetigen Erschütterungen den Akt kopiert… damals hatte Sex noch etwas mit Papier zu tun… wie ein gutes Buch!

Da haben nun Digitalisten die Xerografie schon zu Grabe tragen wollen. „Papierlos“ hieß das Stichwort. Doch der Xerograf steht noch immer in der Ecke – ein Mahnmal an alle mobilen Endgeräte und deren Nutzer, ein stiller Zeitzeuge der uns stetig daran erinnert, dass der Selfie und die Visual-Erotik noch etwas mit Handarbeit zu tun haben.

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