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Snapchat vs. Plag – (k)ein Vergleich

Screenshot 2016-05-06 12.07.12Über Snapchat reden im Moment alle. Und das nervt. Als wäre das Netzwerk etwas grundlegend Neues. Dabei gibt es Snapchat schon seit 2011. Damals vor allem mit vielen Pimmeln und vielen anderen geschmackvollen (audio-)visuellen XXX-Einlassungen. 2013 dann ein großes Datenleck und jetzt nutzen es Jugendliche weltweit. Und auch viele Erwachsene – mit großer Begeisterung. Über die Nutzung von Snapchat gibt es so viele Blogposts, dass ich das hier sicher nicht nochmal machen werde.

Aus ästhetischer Sicht muss ich hier aber einmal kurz abkotzen. Snapchat ist ähnlich beschissen gelayoutet wie Facebook. Snapchat sieht schon anrüchig aus und erinnert auch in Handhabung und Benutzerfreundlichkeit eher an eine Hodenprellung als an intuitive Kontrolle. Auch deshalb will ich hier auf das Netzwerk Plag verweisen, das es auch schon seit ein paar Jahren gibt und sich keiner großen Beliebtheit erfreut. Das Netzwerk ist deshalb interessant, weil es nicht auf „Freundschaften“ oder „Followern“ aufbaut, sondern auf der Qualität der Posts selbst. Außerdem ist das Layout klar und minimalistisch (auf sowas steh‘ ich ja).

Plag ist via kostenlose iOS- und Android-App ein mobiler Begleiter, kann aber mittlerweile auch über den Desktop-Browser verwendet werden (ähnlich wie bei Twitter wird von dieser Option aber wohl eher selten Gebrauch gemacht). Auf Plag verbreiten sich Posts – „Cards“ genannt – wie ein Virus. Oder auch nicht. Denn hier vernetzt man sich eben nicht mit Freunden oder Bekannten und sieht dann deren Beiträge. Stattdessen kriegt man die Cards von allen Usern aus der Umgebung angezeigt – Das Netzwerk funktioniert also „location based„. Beiträge können in den Bekannten Formen geteilt werden (Bilder, Texte, Videos, Links etc.)

Mit einer Tinder-artigen Wischbewegung entscheidet man, ob man die Cards mag oder nicht. Bei einem – im übertragenen Sinne – „Like“ wischt man nach oben, wodurch man mit dem Post dann andere „infiziert“.

Foto 04.05.16, 17 22 23So können sich für gut befundene Inhalte innerhalb kürzester Zeit wie eine Seuche rund um den Globus verbreiten.  In verschiedenen Tests haben es meine Posts von Deutschland aus bis nach Indien, China und die Westküste der USA geschafft. Jede Card endet nach sieben Tagen in der „Contamination“. Zu jeder Card bietet die App einige Infektionsstatistiken an. Dabei ist die Google Map wohl die spannendste. Auf der Map lässt sich die Infektionshistorie genau nachvollziehen.

Spannend finde ich das Update und die Selbstdarstellung des Netzwerkes. Damit grenzt sich dieses Netzwerk tatsächlich von allen anderen sozialen Netzwerken ab („Die sozialen Netzwerke haben versagt!“. Es ist ein Netz, das – nach eigener Aussage – seinen Usern die Kontrolle über Informationen wieder zurückgibt (Das sehr pathetisch-überspitzte, aber trotzdem gelungene, Intro sehr ihr unten in der Bildergalerie).

Aufbau und Selbstverständnis von Plag machen das Netzwerk für politische und medienpädagogische Bildung interessant. Es ist ein wohltuender Versuch ein soziales Netzwerksystem einmal anders aufzuziehen. Für Narzisten, Fame-Huren und Selbstdarsteller ist das Netzwerk eher ungeeignet. Wahrscheinlich wartet Plag auch deshalb (noch) auf einen größeren Durchbruch.

One thought on “Snapchat vs. Plag – (k)ein Vergleich

  1. Du musst deinen Blog unbedingt anfangen selbst zu hosten. Deine Beiträge sind es wert auch jenseits von Werbebannern gelesen zu werden. Ich wäre durchaus bereit, dich dabei zu unterstützen. Wenn das einmal eingerichtet ist, ist es in der Handhabung genauso wie vorher allerdings hast du keine Werbung in deinem Blog versteckt.

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