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Die digitale Bildungsrevolution: Eine Geschichte aus dem Fegefeuer der Eitelkeiten!

14752046141_5b1e740713_zDas Netz (und gerade Twitter) ist voll von Bildungsmenschen, die tolle Dinge tun und das System verändern möchten. Aber trotz OER und CC-Lizenzsierung rufen viele häufig: „Wer hat’s erfunden?“. Es geht nicht um die Sache, sondern um große und kleine Egos. Von außen betrachtet, wirken wir bei diesem Gerangel um vermeintliche Plätze im Scheinwerferlicht albern (das „feedbackte“ mir eine Freundin vor kurzem). Ich bin über eine kleine Geschichte von Slawomir Mrozek gestolpert, die die Sache auf den Punkt bringt.

Der Held

Ich ging eines Tages am Ufer des Flusses entlang und sah: Ein Pfadfinder ertrinkt. Ich kenne die Stelle, es ist da nicht sehr tief, also beschloß ich, ihm das Leben zu retten. Aber natürlich erst dann, wenn sich Publikum versammelte. Ich setzte mich auf die Bank und wartete. Der Pfadfinder schrie laut, also versammelte sich bald eine ganze Menge Leute. Ich wartete noch, damit das Dutzend voll würde, dann stand ich auf, näherte mich dem Wasser und, angespornt von den Bewunderungsschreien, begann ich langsam, den linken Schuh auszuziehen. Das Publikum klatschte bravo. Ich war schon in socken, als ich bemerkte, daß irgendein unverschämter Typ auch anfing, sich auszuziehen.

Ich wurde nervös. »Sie haben sich nicht in der Schlange aufgestellt«, sagte ich zu ihm.
»Ist das Ihr Pfadfinder, oder was?« antwortete er darauf und warf schon die Weste
hin. »Recht hat er!« ließen sich Stimmen aus dem Publikum vernehmen. »Der Pfadfinder
ist Allgemeingut.«
»Lassen Sie die Hosen an«, sagte ich zu ihm. »Sie waren noch gar nicht auf der Welt, als ich schon Scouts rettete.« »Ihre Großmutter haben Sie gerettet«, antwortete er beleidigend. »Meine Großmutter war ein besserer Pfadfinder, als Sie je ein Aufschneider waren; halt
dich lieber an der Seife fest und nicht am Pfadfinder.«

Es kamen immer mehr Leute. Die einen waren auf meiner Seite, die andern sagten, jeder habe das Recht, jemanden zu retten. Ich sah, es half nichts, und jetzt hing alles davon ab, wer sich am schnellsten auszog. Zwar hatte er später angefangen, aber er hatte einen Reißverschluß und holte daher auf. Ich überrundete ihn erst wieder bei den Unterhosen. Als er sah, daß er seine Chance verspielte, wollte er, so wie er war, in der Unterwäsche ins Wasser springen. Ich wurde wütend und stellte dem Betrüger ein Bein.
Der sollte ja nicht den Heiden spielen. Ich weiß nicht, was aus dem Pfadfinder geworden ist, denn uns brachte man ins Krankenhaus – mich und diesen anderen. Ich habe ihm die Hand verrenkt, und er hat mir die Vorderzähne ausgeschlagen. Die Rettung von Ertrinkenden erfordert Mut und Opfer.

(Aus: Das Leben für Anfänger)

One thought on “Die digitale Bildungsrevolution: Eine Geschichte aus dem Fegefeuer der Eitelkeiten!

  1. Sehr treffend!
    Und ich weiß nicht, was aus der Bildungsreform geworden ist… Die Rettung der Bildung erfordert Mut und Opfer.

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