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PokémonGo, Bildungsrevolutionen und Gold-Digger: Wenn die Bildungs-Kolonialisten digitale Chancen wittern.

„Pssst. Hast du schon gehört? Es gibt eine neue App. Die wird von ganz vielen Menschen genutzt. Auch von Jugendlichen und Kindern. Ich bin mir sicher, dass wir da auch das Label ‚Bildungsrevolution‘ draufpacken können.“

Es ist wieder soweit. Goldgräberstimmung. Die Bildungs-Kolonialisten stechen in See, um als Erste PokemonGo zu besiedeln. Die ganz Innovativen brüllen laut: „Wir müssen die Menschen da abholen, wo sie stehen!“. Es klingt wie eine Drohung. Die Jagd ist eröffnet. Es geht darum den ersten Tweet zu publizieren, den ersten Blogeintrag zu schreiben. „15 ways to use PokemonGo as an educational tool!“, „PokemonGo – What education should be!“ etc. Es ist ein Trauerspiel.

Da wird der Begriff „innovativ“ völlig falsch verstanden. Gefühlte 3 Tage nach dem Start des Spiels, wollen die „Educators“ dieses Internets den Eindruck erwecken, bereits tolle Konzepte erarbeitet zu haben. Mit Bildung hat das Ganze wenig zu tun. Es geht darum, die eigene Fahne auf den Berggipfel zu tragen und den Claim zu sichern.
Können wir vielleicht erstmal spielen? Die Server sind down – das Spiel läuft noch nicht richtig und die meisten Funktionen werden erst nach und nach gepatcht oder freigespielt. Aber die „Großen“ der (int.) Bildungsszene – und all jene, die es sein möchten – haben das komplette System bereits durchschaut, Bildungsziele formuliert und schon etliche Lernende damit zu großen Erfolgen geführt. Ganze Abiturklassen verdanken dem Spiel ihre guten Noten und an den Unis wird bereits darüber nachgedacht, ob man nicht PokemonGo-Studiengänge braucht. Die Gesellschaft steht unmittelbar vor einem Paradigmenwechsel. Das mit Ingress seit Jahren eine ähnliches Spielkonzept mit derselben Engine am Start ist, scheint dabei niemanden wirklich zu stören. Wir müssen uns auf den neuen Shice stürzen!

Der Hype in der Bildungsszene scheint groß. Jetzt muss man ganz vorne dabei sein, um später die Früchte zu ernten. Vorträge halten, Artikel schreiben. Es geht darum, dass Außenstehende rufen: „Mein Gott, was seid ihr innovativ!“. Ich wiederhole mich: Mit Bildung hat das nichts zu tun. Kaum einer scheint darüber nachzudenken, ob die ganzen Menschen überhaupt da abgeholt werden wollen, wo sie stehen. Vielleicht wollen die erstmal in Ruhe spielen? Einfach nur weil es ein nettes Spiel ist. Vielleicht sollte die Bildung ihre ganzen Fame-Ambitionen erstmal ruhen lassen. Sich zurücklehnen. Ein bißchen mitspielen und nachdenken, bevor sie twittern, bloggen und die nächste Kolonie durchdidaktisieren. Vielleicht kann man auch einfach mal fragen „Erklär mir doch mal was für dich die Faszination des Spiels ausmacht. Zeig‘ du es mir (bevor ich versuche es der Welt zu zeigen)!“ Ist nur so eine Idee…

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